Lebensraum

Kritischer Optimismus – ein Plädoyer zum Jubiläumsjahr 2018

2018 wird das Jahr des Hundes. Zumindest, wenn es nach dem Kalender der chinesischen Astrologie geht, der ja bekanntlich jedes Jahr mit einem Tier assoziiert. Informiert werde ich über das jeweilige Wesen der Stunde aus dem Tierreich jedes Jahr pünktlich nach der ersten Bestellung (oder dem ersten Besuch) beim Chinesen unseres Vertrauens, der freundlicherweise auch stets den neuen Wandkalender für das WC oder die Speisekammer parat hat. Doch abgesehen davon, dass Hundebesitzer sich auf das Jahr des „besten Freundes des Menschen“ freuen können, bringt die neue, von Menschen kalkulierte Zeitrechnung auch einige Jubiläen für uns als österreichische StaatsbürgerInnen mit sich.

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Das kleine Österreich, welches prosaisch gesehen ja „dem Erdteil inmitten“ liegt, feiert nämlich seinen 100. Geburtstag. Im Jahre 1918 hauchte das Habsburgerreich, gepeinigt von vier Jahren „großem vaterländischem Krieg“ und nationalistischen Bestrebungen in allen Teilen des Herrschaftsgebiets sein Leben aus. Die erste Republik war geboren und aus „Kaiserlich und Königlich“ wurde „Deutschösterreich“, oder besser gesagt „Restösterreich“. In der zeitgenössischen Sichtweise wird jedoch gerne auf eben jene Erste Republik und ihre Errungenschaften in einem immens schwierigen Umfeld vergessen. So wurden bereits in dieser Zeit wichtige Reformen hinsichtlich der Arbeitszeitregelungen sowie natürlich der Demokratie in die Wege geleitet. In den Köpfen der Menschen zweifelte man jedoch mit Hingabe an der Vitalität und Lebensfähigkeit der kleinen Alpenrepublik, die so zwischen Bayern, Italien und dem damaligen Osten eingezwickt wurde. Die Zeiten wurden schlechter, die Menschen ärmer und so huldigte man schon bald einer Lösung, die von vielen als schier einzig mögliche betrachtet wurde und sich im heurigen Jahr ebenso zum achtzigsten Mal jährt: dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938. Aus dem Ständestaat wurde die Ostmark und eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte wurde geschrieben. Kein Zufall, dass auch unser Bundespräsident dieses Ereignis in seiner recht innovativen Neujahrsansprache mit großem Nachdruck in Erinnerung gerufen hat. Gerade in Zeiten wie diesen sollte man dem Wert der Demokratie und allen Widrigkeiten, denen auf dem Weg dorthin getrotzt wurde, Tribut zollen und diese im Hinterkopf behalten.

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Gegenüber den globalen politischen Wirren wirken unsere innenpolitischen Scharmützel, Burschenschafter hin, Machtkonzentration her, jedoch gegenwärtig eher wie Mücken denn Elefanten. Obendrein wäre der Vergleich unserer neuen Bundesregierung mit den Zuständen im Dritten Reich blanker Hohn und würde ebendiese in erschreckender Manier verharmlosen.

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In den Machtzentralen dies- oder jenseits des Pazifik wirbeln dilettantische Selbstdarsteller an Schreibtischen mit eingebauten Atombomben-Buttons gehörig Staub auf. Die Zustände in nordafrikanischen Flüchtlingsauffanglagern sind fern jeder Menschlichkeit. Und bitte, liebe gelernte Österreicherinnen und Österreicher, für die die Demos gegen die Regierungsbildung am Heldenplatz nicht zur vorweihnachtlichen Glühwein-Idylle passten: Im Iran sieht man dieser Tage wie es aussehen kann, wenn ein Volk wirklich „aufsteht“.

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Probleme hin, Katastrophen her: die Menschen in der Alpenrepublik blicken dem neuen Jahr laut gängigen Umfragen überwiegend positiv entgegen. Und das ist auch gut so. Denn nur aus dem Optimismus und positiver Energie können Problemlösungen erwachsen. Die Herausforderungen werden nicht weniger – sowohl politisch, als auch im persönlichen Umfeld jedes Einzelnen. Und auch wir ÖsterreicherInnen könnten den Blick auch ob unserer zeitgeschichtlichen Entwicklung, in der wir uns entschieden von unserem großen Nachbarn im Norden emanzipiert haben, zur Abwechslung mit gutem Gewissen Richtung Zukunft wenden, ohne den Blick auf die Lehren der Vergangenheit ganz außer Acht zu lassen.

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