Mountaineering

Die Schleinitz (2.904 m) – Tauern-Abenteuer für ambitionierte Bergwanderer

Wenn man sich im äußersten Südwesten Kärntens befindet, der mit dem oberen Gailtal und der Region Kötschach-Mauthen zweifelsohne einige der schönsten Ecken des Landes beherbergt, lockt oft ein gebirgiger Ausflug über den Gailbergsattel in die nahe Sonnenstadt Lienz. Die Bezirkshauptstadt von Osttirol ist nicht nur absolut sehenswert, lebendig und sympathisch, sondern überzeugt auch Bergsteiger und Alpinfreunde mit ihrer Lage im Lienzer Talboden, umrahmt unter anderem von der Schobergruppe im Norden und den Lienzer Dolomiten im Süden. Im Allgemeinen werden oft zwei Gipfel als „Lienzer Hausberge“ bezeichnet: Der Spitzkofel im Süden und die Schleinitz im Norden. Letztere sollte mein heutiges Ziel werden.

An diesem Tag Anfang Juni ging die Reise über Thurn nach Oberdrum, beide gehören zu den direkt nördlich an Lienz angrenzenden „Sonnendörfern“, und von dort über die Zettersfeldstraße, die im Hochsommer bemautet wird (7 Euro), bis zur Rottmannalm auf 1.880 Metern Seehöhe. Von hier startet der Normalweg Richtung Schleinitz.

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Start bei der Rottmannalm
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Lienzer Talboden – Blick nach Osten von oberhalb der Rottmannalm

Der mustergültig markierte Steig führt gleich von Beginn an recht steil durch Bergwiesen und Pisten des Schigebietes Zettersfeld, welches aber im Großteil der Tour, mit Ausnahme eines Speicherteiches, glücklicherweise kaum Beachtung findet. Schon nach knapp einer halben Stunde zeigt sich erstmals unser Ziel: die Schleinitz. Am folgenden Bild ist auch das Goiselemandl gut ersichtlich, ein kleiner Gipfel, der ungefähr nach der Hälfte des Weges erreicht ist und ein Ziel für Spätaufsteher darstellt.

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Schleinitz (links) und Goiselemandl (rechts)

Aufgrund der Tatsache, dass ich mir einen leicht erkämpfbaren Gipfel natürlich nicht entgehen lassen wollte, stattete auch ich dem Goiselemandl (2.433 m) einen kurzen Besuch ab – er sollte sich lohnen, war es doch der einzige Gipfel mit Ausblick an diesem Tag.

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Am Goiselemandl – Rechts die Schobergruppe

In weiterer Folge führt der Weg unterhalb des Goiselemandls vorbei in Richtung Neualplschneid, wo man auch das erste Mal die namensgleichen Neualplseen (Seehöhe: 2.460 m) bestaunen kann und die auch eventuell eine Tour für sich wert sind. Zu diesem Zeitpunkt des Jahres waren sie teilweise sogar noch mit Eis bedeckt.

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Neualplseen vor der Schobergruppe

Nun entscheidet sich der Bergsteiger, ob er die Schleinitz über den Normalweg oder mittels eines teilweise versicherten Steiges über die Sattelköpfe erklimmen möchte. Da mein Klettersteigset leider gut im Kofferraum verstaut war, wählte ich den Normalweg. Dieser bedeutete jedoch noch gut eine Stunde kräfteraubendes Hüpfen über für die Tauern oft typisches Blockgestein. Auch hier helfen die kontinuierlich gesetzten Markierungen beim Finden der Ideallinie. Zum Zeitpunkt der Tour erforderten zusätzlich noch zahlreiche zu querende Altschneefelder das Fortkommen.

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Aufstieg über Blockhalden

Nach Überwindung einiger ausgesetzter Stellen am kurzen Grat präsentierte sich der Gipfel der Schleinitz jedoch leider nebel- und wolkenverhangen, worunter das Gipfelerlebenis des leidgeprüften Bergsteigers zweifelsohne etwas litt. Der höchste Punkt, welcher einige Meter oberhalb des Kreuzes liegt, war so auch keinen weiteren Ausflug wert.

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Schleinitz-Gipfel
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Gipfelkreuz Schleinitz

Beim Abstieg, der ebenso konzentriert bewältigt werden sollte, bieten sich nochmals wunderschöne Blicke auf die Neualplseen sowie die umliegende Bergwelt, insbesondere in Richtung Lienzer Dolomiten. Auch der Talboden und die Stadt Lienz liegen dem Alpinisten zu Füßen.

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Blick auf Lienz mit Mündung in Pustertal (links) und Iseltal (rechts)
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Abstieg von der Schleinitz, links die Neualplseen
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Goiselemandl beim Abstieg

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Schleinitz eine absolut lohnende, abwechslungsreiche und mit Ausblicken gesegnete Tour im Raum Lienz darstellt, die aufgrund ihrer leichten Erreichbarkeit oft begangen wird. Das Bergpanorama umfasst alle Himmelsrichtungen und somit Gebirgsgruppen wie die Schobergruppe, die Glocknergruppe, die Gailtaler Alpen bis hin zu den Sextener Dolomiten und den Villgratener Bergen. Auch hinsichtlich der Länge handelt es sich um eine etwas anspruchsvollere Halbtagestour, die jedoch bei entsprechender Ausrüstung und etwas Vorsicht keinem etwas ambitionierteren Bergwanderer Schwierigkeiten bereiten sollte.

 

Gesamtdauer: Rund 5 Stunden

Höhenmeter: Rund 1.100

 

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