Bier & Genuss

Das Beste aus zwei Welten – eine Frage der Kultur?

Das Synergie-Prinzip von Aristoteles, welches gerne mit dem lapidaren Satz „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ beschrieben wird, lässt sich auf unzählig viele Bereiche anwenden – natürlich auch auf das Zusammenwirken von Speisen und Getränken, auf verschiedene Zielgruppen und dementsprechende Kaufentscheidungen.

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Bier oder Wein – oder gar beides? In meinem persönlichen Umfeld werde ich mehr und mehr darauf aufmerksam, das viele in diesem Bereich des Genusses eine recht emotional hinterlegte Philosophie pflegen und oft auch darauf bestehen. Man sei entweder Bier- oder Weintrinker – und dies aus verschiedenen Motiven, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. So hört man von „reinen“ Bier-Konsumenten, dass ihnen der Wein zu „abgehoben“, zu wenig „süffig“, zu teuer oder oft auch nicht „hundertprozentig passend“ sei. Weintrinker betrachten (und ja, das hört man immer noch) das Bier manchmal als ein „minderwertiges, billiges Getränk“, welches nicht „zu ihrer Lebenseinstellung passe“. Auch wird man von Weinexperten immer noch kritisch beäugt, wenn man Bier als Speisenbegleiter oder auch als edles, kreatives Getränk bezeichnet.

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Darum gleich vorweg: es gibt in beiden Welten sowohl wunderbare Geschmackserlebnisse als auch zwar trinkbare, aber nicht wirklich überzeugende Vertreter ihrer Art.

Der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier und so gibt es meiner Meinung nach in beiden Welten sogenannte „Einstiegshilfen“, die einem die faszinierende Welt des jeweils anderen schmackhaft machen können. Ich denke hier beispielsweise an füllige, nicht zu stark tanninbetonte Rotwein oder halbtrockene Weißweine als erleichternde Basis für den Biertrinker. Auch ich fand meinen Weg in die Weinwelt über diese Spielarten.

Andererseits findet man in der Bierwelt aber auch ein riesiges Angebot an Flavours und Stilen, die zwar oft dem klassischen „Märzen-Tschecherer“ nicht gefallen, jedoch andere Menschen mit einem weltoffenen Geschmacksprofil ansprechen könnten. Hier könnte man zur Erlangung eines Aha-Erlebnisses eventuell belgische Abteibiere oder auch ein (nicht zu stark gehopftes) Pale Ale reichen. Die Möglichkeiten sind, wie auch die Geschmäcker, kaum enden wollend.

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Wenn man Wein und Bier bezüglich ihrer Preisstruktur vergleicht kommt man rasch zu einem Aspekt, den mir als „Biermensch“ einst ein Winzer dargebracht hatte. Er sagte, dass der österreichische Wein nach seinem Glykol-Skandal 1985 total am Boden war und sich danach nicht mehr auf die Herstellung einfachen vergorenen Traubenmostes, meist großzügig abgefüllt im „Doppler“ – auch „Austro-Magnum“ genannt, konzentrierte, sondern die Mengen reguliert wurden und damit, einhergehend mit besserer Qualität, auch ein schlagendes Argument für ein gehobenes Preisniveau geboren war. Die Bierbrauer machen den Fehler, ihre vielmals erstklassigen Produkte nur noch über Aktionen und eine generell niedrige Preispolitik zu verkaufen. Eine höherpreisige Spezial-Sorte einer Brauerei, von der manchmal eine Flasche in den Einkaufswagen des Konsumenten gelangt, wird dann sehr oft zwar als „gut“ bezeichnet, sei aber für den regelmäßigen Genuss schlichtweg „zu teuer“. Es muss auch festgehalten werden, dass der Konsument aber durch diese Preispolitik auf Sonderangebote getrimmt wurde, sodass ein Ausweg aus dieser Spirale aktuell recht schwer zu schaffen ist. Vielleicht ist Craft Beer (was auch immer das genau ist) nach einer verständlichen Aufklärung ein Weg.

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Auf alle Fälle sollte das Bier in unseren Breiten die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient. Zu Feierlichkeiten oder besonderen Anlässen macht man sich manchmal eine „gute Flasche Wein“ auf – das „gute Flascherl Bier“ hätte genauso das Potenzial, auch wenn es rein preislich nicht in die oft astronomischen Höhen des Weins getrieben werden muss. Ich verweise hier gerne auf die von uns Österreichern oft als „nicht vorhanden“ bezeichnete Bierkultur unserer südlichen Nachbarn aus Italien, wo Bier genau diese Wertigkeit genießt und, in einer ansprechenden 0,75-Liter-Flasche (man beachte die Dimension) immer mehr den Einzug auf den familiären Essenstisch findet.

Auch würde es sich lohnen, den Kult, der um die richtige Verkostung von Wein getrieben wird, vom richtigen Glas bis zum Dekantieren, auch in veränderter Art und Weise auf den Gerstensaft umzumünzen. Wie bereits in einem anderen Artikel beschrieben meine ich hiermit vor allem die richtige Pflege und Sorgfalt hinsichtlich des offenen Bierausschanks vom Fass. Das richtige Bierglas und die dem Bierstil enstprechende Trinktemperatur fördern genauso den Genuss und verlangen förmlich nach der Empfehlung durch eine geschulte Person, vor allem in der Gastronomie. Sünden wie der Verkauf eines dunklen Doppelbocks mit einer Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt oder dem Zapfen eines irischen Stout in der Art und Weise eines österreichischen Märzen auf einem Volksfest sollten, um den Wert und die Qualität des Produkts zu steigern, nicht mehr vorkommen. Es kommt, wie so oft, einfach auf die Vermittlung von Emotionen und die richtige Präsentation an, die auch das Bier auf ein neues Level heben könnte.

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Bier steht, obwohl grundverschieden, dem Wein also in nichts nach, und hätte in der Gesellschaft eine ähnliche Wertschätzung im Sinne von Exklusivität, Noblesse und Kultur verdient. Denn beide edlen Getränke, die uns schon Jahrtausenden begleiten, in angenehmer Atmosphäre, mit tollen Menschen und allen Sinnen genossen, führen auf alle Fälle zum eingangs erwähnten Synergie-Effekt und bereichern in den gewissen Situation auf alle Fälle das Leben. Der perfekten Symbiose steht also nichts im Wege!

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